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| Westliche Sprüche und Anschauungen in Verbindung zu ZEN !Motivation
"Wir werde nicht vom Erforschen ablassen,
bis am Ende aller Entdeckungen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren
und diesen zum ersten Mal richtig kennen."
Thomas Stearns Eliot (oder Elliot) ist in den USA geboren, lebte und wirkte später als Lyriker, Dramatiker und Kritiker in England. Er trat sogar der Church of England bei und ist bestimmt kein Buddhist. Was er bei diesem Ausspruch sicher nicht wusste: damit beschreibt er aus westlicher Sicht wie der ZEN-Weg aussieht und wie der ZEN-Schüler zum ZEN-Meister wird. Wir starten unseren ZEN-Weg verblendet aus unserem Leben heraus, wir haben falsche Vorstellung über Erleuchtung und das ZEN-Ziel. Wir suchen auf der ganzen Welt, überall ausserhalb von uns selbst. Wer dann aber am Ziel ankommt erkennt, dass er genau dort wieder angekommen ist, wo er seine Suche startete - nur sieht er die Welt nun mit anderen Augen und begreift sie nun auch ...
"An sich ist nichts weder gut noch boese. Erst das Denken macht es dazu."
Wie das vorhergehende Zitat zeigt, hat auch William Shakespeare ZEN-Gedanken in Worte gefasst.
Im Gegensatz zu anderen Religionen und Glaubensvorstellungen hat der ZEN-Buddhismus keine absolute Wahrheit,
kein eindeutiges "richtig" oder "falsch", weil dies ja gerade durch Erziehung, durch Gesellschaft und Staat
vorgeprägte Vorstellungen sind. Etwas was in einem Land "gut" ist, kann in einem anderen Land als "schlecht" verurteilt werden.
"Der natürliche Mann führte keine Gesellschaft an, noch war er ausserhalb von ihr."
Nachdem Claude Levi-Strauss 2008 100 jahre alt geworden ist, ist er im historischen Kontext noch als Zeitgenosse zu betrachten. Seine Denkansätze haben die Ethnologie revolutioniert und waren Vorgaben für die 68er Generation. Hier beschreibt Claude Levi-Strauss exakt wie ein ZEN-Meister lebt. Die Meisterschaft im ZEN ist nichts künstliches, nichts abstraktes, nichts gesellschaftliches. ZEN ist einfach nur ganz natürlich zu sein und zu leben, ohne moderne Verblendungen und ohne von Menschen gemachten Systemen und Wertvorstellungen. Er führt weder an, noch grenzt er sich aus, er lebt ganz seine Rolle in dieser Welt, sein Leben und seine "Bestimmung".
"Ich bin fest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn hat, dass nichts irgendeinen Sinn hat.
Der erste Satz von Claude Levi-Strauss erinnert mich ganz stark an eine Aussage von dem (deutschen)
ZEN-Abt Muho in Japan.
Er und auch viele andere ZEN-Meister sind zu genau derselben Erkenntnis gekommen.
Aber anstatt vor einer solchen Ansicht zu kapitulieren und die Welt in Frage zu stellen,
gibt er -ganz in buddhistischer Tradition- selbst seinem Leben einen Sinn.
Wir haben hier die erstaunliche Freiheit durch die "Schöpfung" erhalten, selbst sinngebend tätig zu werden.
Also suchen wir doch keinen mit dem menschlichen Körper und den körperlichen Sinnen nicht auffindbaren Sinn,
sondern geben dem Ganzen pragmatisch einfach einen Sinn ...
"Es gibt keine Bedeutung im Leben, abgesehen von derjenigen, die der Mensch ihm durch
die Entfaltung seiner Kräfte, durch sein schöpferisches Leben gibt."
Dieses Zitat von dem Psychoanalytiker Erich Fromm schlägt in die selbe Kerbe wie das vorherige Zitat von Claude Levi-Strauss. Nicht die Wunder des Universums, unserer Milchstrasse, der Erde, der Berge oder der Meere geben dieser Welt eine Bedeutung, nein die Lebewesen und der Mensch sind einzig in der Lage dem Ganzen einen Sinn zu geben - daran möge doch jeder bei seinen Handlungen auch denken! Wer die Brisanz dieser Aussage wirklich und richtig erkannt hat, dem bleibt auch gar nichts anderes übrig, als danach zu leben - das ist die Erleuchtung Buddhas und von einigen ZEN-Meistern.
"Man kann einen Menschen nichts lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken."
Der Mathematiker Galileo Galilei hat hier das Verhältnis von Lehrer und Schüler auf einen Nenner gebracht. Auch im ZEN-Buddhismus gibt es häufig eine Lehrer-Schüler-Beziehung. In dieser Beziehung eines ZEN-Schülers zu seinem ZEN-Meister, kann auch der Meister nichts wirklich für den Schüler leisten und dem Schüler auch nichts "abnehmen", er kann nur dem ZEN-Schüler zeigen, wie er es selbst in sicht entdeckt. Das ist das ganze "Mysterium" der ZEN-Übertragung ... nicht mehr und nicht weniger.
"Wenn die Meister aufhören zu lehren,
werden die Schüler endlich lernen können."
Charles de Montesquieu war ein französischer Philosoph und hat hier etwas ganz pragmatisches geäussert. Auch dies betrifft wieder die noch öfter im ZEN vorkommende Meister-Schüler-Beziehung. Alles was ein Meister dem ZEN-Schüler vorgibt, ihm erzählt, versucht in ihm "einzupflanzen", ist nicht wirklich und nicht das Leben ansich. Erst wenn der ZEN-Meister nicht versucht alle seine Ansichten in den Schüler "einzutrichtern", erst dann erhält der Schüler die Möglichkeiten der eigenen Erfahrung und des Wissens und nicht nur des Glaubens. ZEN-Schüler müssen "emanzipiert" sein und können die Wahrheit nur selbst lernen. Die einzige Funktion die ein weisser und verantwortungsvoller ZEN-Meister hier wahrnehmen kann ist, seinem Schüler wieder dazu zu verhelfen.
"Willst du jemand reich machen, vermehre nicht seine Habe, sondern verringere seine Wünsche."
Der vorchristliche griechische Philosoph hat genau den Kern des Buddhismus getroffen.
Buddha sagte, dass das Leben Leiden ist. Aber er erkannte auch die Ursache dieses Leidens:
unser Verlangen, unsere Wünsche, unsere Habgier ...
"Ich wünsche mir die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich ändern kann- und die Gelassenheit,
die Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann- und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden."
Diese Leitlinie Senecas ist die Leitlinie grosser ZEN-Meister. Auch ein ZEN-Meister kann oder sollte nicht in den "Lauf der Dinge" eingreifen, die Welt einseitig verändern wollen, Meinungsfüher werden oder Menschenmassen anführen. Aber andererseits ist ein ZEN-Meister auch nicht fatalistisch und resignierend. Nein, er lebt im hier und jetzt und wird bei jeder Handlung mit "Weisheit" erkennen, ob er gefordert ist, wie weit er gefordert ist, ob er selbst etwas ändern muss oder dies anderen Menschen überlassen sollte. Dieses Handeln ganz im Tao, das ist das Ziel eines ZEN-Meisters.
"Unzählige Menschen haben Völker und Städte beherrscht, ganz wenige nur sich selber."
Wieder ein Zitat Senecas, das den Kern eines jeden Buddhisten treffen muss. Wir alle leben in der Aussenwelt, bei anderen Menschen in anderen Ländern bei den Problemen Anderer - aber wie sehen wir unsere eigenen Probleme, Unvollkommenheiten, Unzulänglichkeiten? Beherrschen wir uns denn überhaupt selbst - können wir uns so auf die restliche Menschheit "loslassen"? Viele moderne Menschen beherrschen weder ihre Emotionen, noch ihre Gier oder ihren Egoismus. Wieviel nehmen Drogen, sind süchtig, rauchen, trinken, fressen, schlagen Partner, Kinder, Tiere, hassen, führen Kriege ... wer von uns beherrscht sich überhaupt selber? Genau das ist das Ziel Buddhas gewesen, das er seinen Änhängern vermittelt hatte. Das Unglück und das Leid in unserer Welt beginnt immer bei uns selbser - nur wenn wir uns selber beherrschen und unsere Schwächen erkennen, können wir das Leid aus dieser Welt bannen. Darum wird häufig eine harte ZEN-Schulung in den Klöstern eingesetzt um die Menschen wieder dazu zu bringen, sich selbst beherrschen zu können - nur so können wir jemals Buddha nachfolgen.
"Nicht weinen, nicht zürnen, sondern begreifen!"
Baruch de Spinoza war Jude, der Bibel gegebüber kritisch eingestellt, kritisch gegenüber der Kirche und wird philosophisch dem Realismus zugeordnet. Spinoza verfolgte ethisch-praktische Ziele und kommt damit genau zu solche Aussagen, wie Sie auch im Buddhismus getroffen werden. Buddha hat das Leid der Menschen in ihrem Leben gesehen, das Leid aufgrund ihrer Verblendung und ihres Unverstandes. Auch Buddha hat gesagt, erfahrt wie die Welt wirklich ist und mach euch keine falschen, eingebildeten Vorstellungen von dieser Welt. Erst wenn ihr sie wirklich begreift, dann verschwindet euer Leid, bzw. fehlen die Voraussetzungen dafür. Spinoza hat hier ganz auch im Sinne Buddhas die "üblichen" Verblendungen durchschaut und war offen mit seinem Geist, darüber hinaus zu gehen.
"Sein, was wir sind, und werden, was wir werden können, das ist das Ziel des Lebens."
Ohne Kenntnis des Authors könnte dies eine Weisheit von einem alten Taoisten oder ZEN-Meister sein. Aber wir sollten uns nicht täuschen, das ganze ist heute "wiederentdeckt" worden: es findet sich in Coaching-Konzepten für moderne Menschen wieder. Was sagt dieser Spruch gerade nicht aus? Nicht jeder kann eben Papst, Bundespräsident, Kanzler oder Bürgermeister werden oder einen grossen Lottogewinn erhalten. Viele von uns haben solche Erwartungen, Ziele, Wünsche und leiden immer wieder darunter, wenn sie es dann doch nicht erreichen können. Viele von uns haben ein bestimmtes Leben, sehnen sich aber genau nach einem ganz anderen Leben und das "zerreist" den Menschen auf Dauer! ZEN-Buddhismus heisst, erst einmal das Leben wo man gerade steht positiv annehmen zu können, es zu akzeptieren - nur so kann unnötiges Leid verhindert werden. Im Taoismus soll man sich in den Fluss des Lebens wieder einklinken und eben "mitfliessen". Das heisst aber nun nicht nur passiv zu werden und alles einfach (als vorbestimmt?) hin zu nehmen. Das Zitat sagt eben in einem zweiten Schritt auch: werde was Du werden kannst. Du wirst vielleicht nicht gerade der Bundespräsident werden, aber es gibt ganz vieles, was Du im Rahmen Deiner Möglichkeiten so werden kannst. Wenn Du Dich genau darauf konzentrierst, wirst Du weit glücklicher, verschwendest Deine Kräfte und Energie nicht mehr und dann ist der Erfolg auch "vorprogrammiert". ZEN heist eben richtig und realistisch zu leben und Illusionen als solche auch zu erkennen.
"Leben - es gibt nichts Selteneres auf der Welt. Die meisten Menschen existieren nur."
"Viele Menschen sterben, ohne je gelebt zu haben. Zum Glück bemerken sie es nicht."
"Der wahre Beruf eines Menschen ist, zu sich selbst kommen."
"Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen."
Diese vorgenannten Zitate von so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Oscar Wilde, Henrik Ibsen, Hermann Hesse und John Lennon, machen aufmerksam auf genau dassselbe Problem von den meisten in Verblendung dahin"lebenden" Menschen: jeder würde gerne leben und nicht leiden, aber die Meisten leiden und leben nicht. Die Ursachen dafür hat Buddha schon vor über 2000 Jahren bei seinen Zeitgenossen erkannt: an den meisten Menschen geht das Leben vorbei und sie ergreifen es nicht. Man macht sich Gedanken, was gestern war und was morgen sein soll und damit rinnt uns immer der Moment durch die Hände, der doch einzige das wahre Leben ist. Nur in der Wahrnehmung dieses Augenblicks zeigt sich aber der wahre ZEN-Buddhist. Nachfolgend noch ein Zitat, das zeigt wo das wahre Leben liegt. Wir vergeuden zu sehr unsere Energie in der Diskrepanz unserer Vorstellung von unserem Leben und unserem wahren Leben. Sich hier nicht zu sehr aufzureiben, setzt ungeahnte Energien und ungeahntes Glück frei ...
"Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen,
das wir geplant haben, damit wird das Leben finden, das auf uns wartet."
"Nicht alles was zählt, kann gezählt werden,
Selbst der Naturwissenschaftler Albert Einstein ist mit diesem Zitat aus seiner quantitativen naturwissenschaftlichen Welt
in die qualitative Welt des Lebens gekommen.
Die volle und unbegrenzte Erfahrung des Augenblickst zählt für uns Buddhisten.
Sobald wir aber diese Wahrheit in dualistische Begriffe fassen und anfangen zu zählen,
bleibt nicht mehr viel davon übrig - allenfalls eine "billige" Kopie.
Aber alles was wir so im Alltag zählen: Geld, Einkommen, Anzahl Autos, Anzahl Urlaube, Anzahl Häuser, Villen und Ferienwohnungen,
zählt das wirklich? Sind wir damit wirklich glücklich und ohne Leid, wie das Buddha uns vorlebte?
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