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Entstehen wie Beseitigen der Täuschung sind beides Täuschungen.

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Der ZEN-Meister Ikkyu !

Ikkyu wurde am Neujahrstag 1394 in einem Vorort von Kyoto geboren und starb 1481. Seine Mutter war eine (schwangere) Liebhaberin des Kaisers, welchen von ihren Feinden dorthin abgeschoben wurde. Ikkyu war ein illegitimer Sohn des japanischen Kaisers - insofern lebte er ständig in der Gefahr einem Anschlag zum Opfer zu fallen. Er wurde von Dienern aufgezogen und im Alter von 5 Jahren seiner Mutter fortgenommen und in einen Tempel gebracht. Hier erwarb er eine zeitgemässe höhere Bildung - er erwies sich als hervorragender Musiker und Dichter. Den Namen Shuken erhielt er als Novize. Schon mit 13 Jahren wechselte Shuken in den ältesten ZEN-Tempel von Kyoto - hier gab es damals eine große Konkurrenz unter den besten Schülern.

"Er griff den Tempel an wegen seiner weltlichen Wege, seines Mangels an spirituellem Training, seines versnobten Kastenwesens unter den Mönchen, und weil Politik größere Bedeutung zu haben schien als das Streben nach Erleuchtung."
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

Danach wechselte er ein paar Mal die Tempel bis er zu einem schäbigen, kleinen Tempel ging. Dieser Meister imponierte Ikkyu, da er sich weigerte schriftliches "Inka" auszustellen. Es gab 2 Selbstmordversuche in seinem Leben, welche er unbeschadet überstand. Im Sommer 1420 erlebte Ikkyu sein erstes grosses Satori:

"Als Ikkyu ... in einem kleinen Boot auf dem Biwasee sitzend meditierte, provozierte wieder ein Geräusch sein Erwachen - diesmal der Ruf einer Krähe am frühen Abend. Ikkyu erfuhr sein großes satori, das ganze Universum wurde zum Krähenruf, und selbst 'ein Halt' entfiel ihm. Kaso bestätigte das satori,"
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

ZEN-Meister Kaso stellte dann Ikkyu eine Inka-Urkunde aus - Ikkyu warf diese Urkunde zu Boden und nahm sie nicht an. Im Ort sprachen sich sein nicht-konformes Benehmen, seine betrunkenen Feiern und sein Spott über ZEN-Rieten herum. Nach dem Fortgang aus dem Kloster wanderte Ikkyu ruhelos von seinem 29. bis zu seinem 59. Lebensjahr umher.

"In der Manier eines heiligen Narren, prangerte er der Verfall des Zen in den großen Klöstern seiner Zeit an ... preist er die großen Meister alter Zeiten, beklagt den Niedergang des Zen und singt das Lob des Weines und der körperlichen Liebe"
aus dem Buch: Das Lexikon des Zen

Er hatte eine Weggefährtin, die er zu seiner Frau machte und einen Sohn mit ihr zeugte. Ikkyu liess sich in einem baufälligen Haus nieder, das er "die Hütte des blinden Esels" nannte. Nachdem seine Frau gestorben war, nahm er seinen Sohn als Schüler in seinem Tempel auf. In dieser Zeit schrieb er Gedichte gegen die mächtigen Sponsoren und korrupten ZEN-Klöster. Er wollte sich nicht mit dem Klosterleben identifizieren und lebte wieder als ZEN-Laie: er ass Fleisch, Fisch, trank Alkohol und hatte Sex mit Frauen. 10 schlimme Tage versuchte er sich als Abt des Nioi-an Klosters. Als dort bei einem feierlichen Mahl die Geldspender Ikkyu klar machten, dass sie dafür ein schriftliches "Inka" von ihm erwarteten, verliess er noch wärend diesem Essen das Kloster und schrieb folgendes Gedicht:

"Zehn Tage im Kloster machen mich ganz ruhelos, der Rote Faden der Leidenschaft ist stark in meinen Lenden, wenn ihr mich sucht, fragt nach mir beim Fischhändler, in der (Sake-)Schenke oder im Bordell."
Ikkyu

Es gab mehrere Skandale um die Führung der ZEN-Richtung der auch Ikkyu sich angehörig fühlte. Bei einem ging er dann in einen unbefristeten Hungerstreik (2. Selbstmordversuch). Im Alter von weit über 70 Jahren ging er wieder eine Liebesbeziehung ein, mit der blinden "Lady Shin" (Mori). Diese war über 40 Jahre jünger und Musikerin, Sängerin und Komponistin. Sie stiess 1471 auf Ikkyu. In dieser Beziehung fand er den Ruhepunkt in seinem Leben und weiteren dichterischen Ausdruck:

Ich glaube, die Lady ist Meisterin des Liebesspiels; wenn ich geschwächt bin, kann sie den Jadeschaft heilen, und dann frohlocken die Mönche bei der Versammlung.
Ikkyu

Ikkyu ernannte zeitlebens keinen einzigen Dharmanachfolger.
1474 befahl der Kaiser, dass Ikkyu als ZEN-Abt eines Tempels in Kyoto eingesetzt wird - er war da schon über 80 Jahre alt. Durch Kriege und Aufstände lag alles in Trümmern und es gab keinen Tempel mehr. Aber Ikkyu engagierte sich in seinem hohen Alter noch einmal mit seinen Freunden, Gönnern und Kaufleuten, den Tempel neu auf zu bauen. Einer seiner reichen Schüler ging sogar so weit alle Masten seine Handelsschiffe abzumontieren um damit die neue Halle des Tempels bauen zu können. Seine letzten Worte waren auf einer Rolle aufgezeichnet:

"Nach meinem Tod werden unter meinen Schülern solche sein, die in die Wälder oder die Berge gehen, andere mögen Sake trinken und sich mit Frauen vergnügen, aber jene, die vor einem Auditorium Vorlesungen halten und von Zen als dem 'Weg der Moral' reden, die vergewaltigen den Buddhismus und sind in Wirklichkeit Ikkyus Feinde."
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

Lehren und Ansichten von Ikkyu:
Ikkyu nahm von keinem ZEN-Meister "Inka" an und gab es auch keinem seiner Schüler. Er meditierte gerne in einem kleinen Boot mitten auf einem See. Ikkyu lebte ein Leben in Armut und Bescheidenheit vor. Erfolgreich weigerte er sich die Rolle eines ZEN-Lehrers oder eines Abtes eines ZEN-Klosters anzunehmen. Er unterschied nie zwischen den Berühmtheiten seiner Zeit und den Armen und Verachteten. Ihm liefen in den Dörfern die Kinder nach, spielten an seinem Bart und wilde Vögel nahmen aus seiner Hand Futter an. Ikkyu lebte vor, dass das Nirvana und diese Welt mit Liebe und Leid ein und das Selbe sind und dass jeder Körper ein Buddha ist.

"suchte Ikkyu die wahre Praxis des Zen vom Kloster auf die Straße zu bringen. ... Er griff öffentlich die ausschweifenden Institutionen des Rinzai-Zen an"
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

Ikkyu sah Sex und ZEN durchaus vereinbar:

"ist Ikkyus Zen des Roten Fadens die radikalste nicht-dualistische Interpretation des Geschlechtsaktes, die je von einem Zen-Meister vorher oder nachher propagiert wurde"
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

"Das Leben schmecken und Sex genießen bis zum Abwinken."
"Zen ist Gesang und Tanz im Hurenhaus."
"Zehn Tage im kloster und schon bin ich ganz fickrig ... solltest du mich eines Tages suchen frag nach mir auf dem Fischmarkt, in der Trinkstube oder im Puff"
Meister Ikkyu

ZEN zur Zeit von Ikkyu:
Die grossen Zen-Äbte der Tempel waren mehr als Erzieher, Berater, Diplomaten oder Geschäftsleute tätig denn in ihrer eigentlichen Funktion. In dieser Zeit war ZEN auf militärische und wirtschaftliche Aspekte reduziert. Die ZEN-Priester verkauften "Inka" (die Bestätigung der Erleuchtung) an reiche Sponsoren. Zu Ikkyus Zeit wurden Paläste und Klöster abgebrannt, gab es Volksaufstände. Die Strassen Kyotos waren zeitweise mit tausenden Menschen- und Tierleichen verstopft - verhungert oder an Seuchen gestorben.

"Seine Ablehnung des Lebens in den Tempeln rührte sowohl von seinem Abscheu vor den sexuellen Ausschweifungen dort her ... als auch vor der dort herrschenden religiösen Heuchelei."
aus dem Buch: Verrückte Wolken, Zen-Meister, Zen-Rebellen

Interessante Links: Meister Ikkyu und wie er die Welt sah
PDF: Meister Ikkyu und wie er die Welt sah
Zen, Sex und Sake
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Im Garten der schönen Shin
Ikkyu und No-bushi

Buch: Gedichte von der verrückten Wolke
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