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Christliches Zen ?

"Pikanterweise steht der Dalai Lama der Begeisterung, mit der sich westlich geprägte Menschen auf den Buddhismus stürzen, sehr skeptisch gegenüber und rät dazu, erst einmal in der eigenen Religion nach spiritueller Erfüllung zu suchen."
Christian Ruch

"Man vermißt einen echten Glauben ebenso wie eine Bindung an Gott oder Götter oder an irgendeine 'höhere Macht', sei sie auch noch so schwer zu definieren; und es fehlt auch ein Kult. [...] Buddha steht in einer philosophischen Tradition; ja er bildet [...] mit seiner Lehre den Abschluss einer bestimmten philosophischen Entwicklung."
Buch von Ulrich Schneider: Einführung in den Buddhismus

Wie vorgenanntes Zitat zeigt, fehlen dem (ZEN-)Buddhismus wesentliche Begriffe und Vorstellungen einer Religion. Man könnte ihn durchaus als eine Lebensphilosophie für jedes Individuum bezeichnen. Dies zeigt schon einmal etwas das diametrale Verhältnis zu einer christichen Religion auf.
Da viele Personen aus der katholischen Kirche die Nähe zu ZEN gesucht und gefunden haben, stellt sich immer wieder die Frage nach der Vereinbarkeit von ZEN und Katholizissmus und ob es so etwas wie ein christliches ZEN gibt. Aus diesem Grunde werde ich auf dieser Seite einmal ein paar Informationen und Meinungen zu diesem Thema vorstellen.

"Gegenüber allen christlichen Versuchen, Zen anzueignen, zu "inkulturieren" und zu domestizieren, gilt es zunächst klarzustellen, dass Zen nie etwas anderes war und ist als lebendiger Buddhismus: Zen-Weg ist Buddha-Weg."
SOTETSU YÜZEN ROSHI

"Zazen kommt aus dem Buddhismus. Wer dies leugnet, tut sich selbst und der Sache nichts Gutes und ist eher unredlich. Auf die buddhistische Herkunft weisen Rituale, Rezitationen, Statuen, Lehrvortrag. Zen hat unmittelbar zu tun mit Buddha, Dharma und Sangha."
Gen-Ki Ellen und Kyu-Sei Kurt Österle

"Wie das Zen zutiefst im Buddhistischen verwurzelt ist - ohne Shãkyamuni den erleuchteten Stifter, ist der Zen-Weg schlechterdings unvorstellbar -, so verdankt der Buddhismus vieles von seinem Besten der Zen-Bewegung. Ohne Zen, so darf man füglich sagen, wäre der Buddhismus nicht das, was er ist."
H. Dumoulin, Jesuit und Buddhismusforscher

Die christliche Kirche steht für "einen Gott im Himmel", eine "Hölle", für ein Weiterleben der Seele im "Himmel".
Im Buddhismus gibt es keinen Gott oder Götter, dort ist noch nicht einmal Buddha ein "Gott", im Buddhismus gibt es kein "Himmel und Hölle", kein "Gut und Böse", es gibt niemanden ausserhalb einem selbst, der für ein sinnvolles und sinngebendes Leben da ist. In einem volksnahen Buddhismus gibt es zwar auch wieder scheinbar "Götter", aber das sind nur Aspekte von jedem selbst und kein "Schöfpergott".
Der Buddhismus ist letztendlich eine Erkenntnislehre und keine Glaubensreligion wie das Christentum. Buddhisten wissen und Christen glauben ... Auch ist der Buddhismus eine "Selbsterlösungslehre" im Gegensatz zur "Fremderlösungslehre" im Christentum.

"Letzten Endes aber gibt es im Buddhismus und im Christentum gewisse Grundüberzeugungen, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen - wie etwa die Vorstellung eines erlösenden, allmächtigen Schöpfergottes. Die meisten Menschen, die sich zwischen Buddhismus und Christentum hin- und hergerissen fühlen, entscheiden sich daher früher oder später doch für eine der beiden Traditionen."
aus Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens

"Der Buddhismus ist gottfrei, also kann es nichts geben, zu dem sich eine mystische Verbindung herstellen ließe. Die Gleichsetzung des Buddhismus mit Esoterik und Mystik ist das größte aller Missverständnisse."
aus Buddhismus: 20 weit verbreitete Missverständnisse

"Zen ist die radikale Beseitigung jeglicher Vorstellungen und Glaubensinhalte. Alles, was vor die Wirklichkeit gestellt wurde, wird oder werden soll, und das gerade ist ja die Übung des Zen, lernt der direkt Erlebende - wenn er nicht in eine so genannte "christliche Zen-Gruppe" gerät - zu identifizieren und loszulassen."
SOTETSU YÜZEN ROSHI

ZEN ist auch eine der (vielen) Richtungen im Buddhismus, aber auch wieder etwas losgelöst davon, indem ein "Götterüberbau" und religiöse Rituale reduziert wurden. Wer den ZEN-Weg geht wird alle Gottesvorstellungen und alle Vorstellungen von einem "Himmel" hinter sich lassen (müssen) - sonst wird man auf diesem Weg nie entscheidend voran kommen. Und für Buddhisten wiegt noch schwerer als für Christen: Die Spekulation und den Glauben an ein Leben nach dem Tode oder eine Wiedergeburt muss man ebenfalls hinter sich lassen ...

"Auf katholischer Seite zeigt das dem Zen-Meister und Benediktinermönch Willigis Jäger seitens des Vatikans im Jahr 2002 auferlegte Bußschweigen - an das sich Jäger aber offensichtlich nicht zu halten gedenkt -, daß der Vereinbarkeit von christlichem und buddhistischem Gedankengut zumindest aus römischer Perspektive Grenzen gesetzt sind."
Christian Ruch

"Die von Rom beanstandeten Äußerungen Willigis Jägers zeigen recht deutlich, daß auch er diesem Widerspruch nicht entgeht, daraus aber offensichtlich die Konsequenz gezogen hat, sich auf die Seite eines buddhistischen ... Gottesverständnisses zu schlagen."
Christian Ruch

Kann nicht ein Christ und ein Buddhist gemeinsam den ZEN-Weg gehen und beide "erleuchtet" werden?
Im Prinzip erst einmal schon! Jeder, unabhängig seiner Vorprägung und seines bisherigen Glaubens kann die ZEN-Meditation praktizieren. Solange dies im Rahmen von "Entspannung" und "Beruhigung" praktiziert wird, können beide Ihren Glauben behalten und davon provitieren.
Aber wie heisst so schön ein ZEN-Koan: Begegnet dir Buddha, dann töte ihn!
Der ZEN-Buddhist muss den ganzen "irdischen Buddhismus" hinter sich lassen um erleuchtet werden zu können. Er fühlt sich viele Jahre als Buddhist und "haftet daran an" - aber damit kann er nie erleuchtet werden, erst wenn er sich davon löst, kann er zum Ziel kommen ...
Jetzt möchte ich aber einmal den Christ sehen, dem man das Koan gibt: Begegnest du Jesus, dann töte ihn!

"Alles, was einem Gläubigen kirchlicher- oder theologischerseits zu tun vorgegeben oder angeraten wurde und wird, um auf eine gnadenvolle Erlösung demütig hinzuarbeiten, ist im Geiste des Zen Ausdruck tiefster Verblendung und ein völlig nutzloses Unterfangen."
SOTETSU YÜZEN ROSHI

"Und genauso, wie man den Heilungserfolg bezweifeln darf, wenn jemand homöopathische und allopathische Medikamente kombiniert, ... so kann man auch Zen und Buddhismus nicht mit Glaubensvorstellungen kombinieren. Man kann nicht zugleich Atheist sein und an Gott glauben."
Christoph Jantzen

Einem Christen wird es um ein vielfaches schwerer Fallen, den ganzen "dreieinigen Gott" und die ganzen kirchlichen Rituale hinter sich zu lassen, sich davon vollständig zu lösen, um somit offen und empfänglich für die persönliche "Erleuchtung" zu sein. Wie nachfolgendes Zitat zeigt, löst sich für einen Christen im Zazen sein Christsein auf: jegliche Dualität von Gott/Mensch, Gut/Böse, Himmel/Hölle wird für ihn verschwinden ...

"Vielen von Euch, die zu mir in die Kurse kommen, entschwindet plötzlich ihr religiöses Fundament. Bei manchen war es schon längst nicht mehr da, es wird ihnen erst jetzt bewußt. Andere spüren, wie ihnen ihre angestammte Religion Stück für Stück entgleitet. Sie sind beunruhigt."
Werner Liegl: Christliches ZEN

"Zen beruht auf Selbstrettung (Jiriki) und steht damit im absoluten Gegensatz zu einer geglaubten Errettung (Tariki) durch eine andere oder übergeordnete Macht ... Im Erleuchtungserlebnis hat jeglicher Glaube mit all den unwirklichen Konstruktionen von Schöpfer und Geschöpf ... aufgehört zu existieren."
"Die christliche Geistesschulung führt in all ihren Konzepten grundsätzlich in einen Dualismus und verabsolutiert die Gegensätze Schöpfer - Geschöpf, Natur - Mensch."
Sõtetsu Yüzen Rõshi

"Die Zen-Organisation "Mumonkai" sah Mitte der 90er Jahre im "christlichen Zen" eine Vereinnahmung durch den Katholizismus, ja sogar einen Betrug, da buddhistische und christliche Lehren schlichtweg nicht zu vereinbaren seien."
Christian Ruch

Persönlichkeiten des "christlichen ZEN":
Mittlerweile gibt es viele bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten aus katholischer und evangelischer Kirche, die sich dem ZEN zugewandt haben und einige auch einen "formellen ZEN-Meistertitel". Z.B. Pfarrer und Zen-Meister Rolf Drosten, Peter Lengsfeld, die evangelische Pastorin Gundula Meyer, Anna Maria Schlüter, der Jesuit Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Benediktinerpater Willigis Jäger ...
Willis Jäger hat einmal gesagt:
"Und so gibt es kein buddhistisches Zen und auch kein christliches Zen. Es gibt vielleicht Zenmeister, die Buddhisten sind, und Zenmeister, die Christen sind."
Leider mangelt es ihm da an eigener Erfahrung oder er wollte es nicht wahr haben: Ein ZEN-Meister hat den Buddhismus hinter sich lassen müssen und auch das Christentum - ein ZEN-Meister ist losgelöst von jeglicher "Religion"!

"Die einen nehmen Christen als Schüler, die andern nennen "Christliches Zen" eine vegetarische Fleischkost, "
Sõtetsu Yüzen Rõshi

Sektenstrukturen im Buddhismus und Meisterkult...
Von der grossen katholischen Weltkirche zu einem buddhistischen Meister mit Personenverehrung und Sektenstrukturen zu kommen, überfordert die einen Christen und gibt den anderen Christen genau das was sie in den heutigen westlichen Kirchen vermisst haben.

"Nicht selten weisen jene, die am Autoritätsanspruch eines Papstes kein gutes Haar lassen, Meistern und Gurus gegenüber eine völlig kritiklose und fast schon devot zu nennende Unterwürfigkeit auf. ...Daß dies Mißbrauch, sei er finanziell oder sexuell, begünstigen kann, liegt auf der Hand."
Christian Ruch: Buddhismus im deutschsprachigen Raum

Christen sind es nicht gewohnt "ihren" Priester in Frage zu stellen und seine Lehre zu hinterfragen. Genau dies hat aber Buddha von seinen Anhängern gefordert. Buddhisten sollen nur logische und vernünftigen Aussagen folgen. Die Aussagen von "Meistern" sind mit denen des Buddha zu vergleichen. Der Dalai Lama sagt, man sollte seinen Meister erste einmal 12 (!!) Jahre prüfen, bevor man ihn den annimmt! So etwas ist ein Christ nicht gewohnt ...

"Aus alledem müsste ein echter Christ, wenn er bereit ist, seinem "Christ-Sein" ehrlich zu entsprechen, die klare Erkenntnis gewinnen, dass Zen als atheistischer Weg dem eigenen Bekenntnis diametral entgegen gesetzt ist. Eine solche Erkenntnis käme dem Christen schützend, aber auch dem Zen respektierend zugute."
SOTETSU YÜZEN ROSHI

"... aber ich habe auch gemerkt, daß unter diesem Begriff 'Christliches Zen' wieder eine neue Form von Dogmatik entstanden ist."
Gespräch von Timo Bieber mit Taiku Güttler

"Nach acht Jahren der Übung mit Ana Maria Schlüter bekam ich einige Differenzen mit ihr, letztendlich weil ich Buddhist war und sie nicht. Es könnte dumm aussehen, daß ich Unterschiede finde, nachdem ich die Einheit von Allem erfahren habe, aber wie gesagt wurde: Zen geht über das Unterscheiden hinaus, aber es löscht nicht die Unterschiede."
Miguel Labarca

Interessante Links: Christentum und Buddhismus - ein Vergleich ...
Buddhismus: 20 weitverbreitete Missverständnisse
Wie viel Christentum verträgt der Zen-Buddhismus?
Sanbo Kyodan einmal eine Organisation zur Verleihung klangvoller buddhistischer Titel an christliche Geistliche genannt
Christentum und Buddhismus unvereinbar
Hans Gruber: Christentum aus buddhistischer Sicht ...